Geldanlagen

Notenbanken in Europa: Zinsen auf Talfahrt?

Sinkende Energiepreise und eine schwache Konjunktur drücken auf das Zinsniveau in der Eurozone. Die EZB steht vor der Herausforderung, den richtigen Kurs zu finden.

Michael Ausfelder
Marktstratege
Publiziert am
19. Februar 2025

Der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 war der Auftakt zu Zinserhöhungen im Rekordtempo, weltweit und in der Eurozone. Zusammen mit dem Nachhall der Lieferkettenproblematik nach der Coronapandemie erreichte der Einlagensatz der EZB Ende 2023 sein Hoch von 4,0 Prozent.

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Seitdem haben sich vor allem die Energiepreise verringert und eine sehr schwache Konjunktur die Preise gedrückt. Lange gefürchtete überdurchschnittliche Lohnsteigerungen scheinen im Laufe des Jahres immer niedriger auszufallen. Was heißt das für das Zinsniveau in der Eurozone?

Derzeit steht der Einlagenzins noch bei 2,6 Prozent. Für die nächste EZB-Sitzung Anfang März sieht der Markt eine weitere Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte vor (siehe Grafik unten). Über den weiteren Weg ist eine lebhafte Diskussion entbrannt, in der im Mittelpunkt die Frage über den "neutralen" Zins steht – also das Zinsniveau, das die Konjunktur weder anschiebt noch bremst. Schätzungen hierfür bewegen sich zwischen 2,0 und 2,5 Prozent. Nun ist die konjunkturelle Lage in der Eurozone und vor allem in Deutschland leider nicht so, dass man vor zu viel Wachstum Angst haben müsste. Etwas geldpolitischer Anschub scheint vernünftig und somit auch ein Zinssatz unterhalb der neutralen Rate angesagt zu sein.

Etwaige kurzfristige Preiserhöhungen durch Zölle, die aus den USA kommen könnten, dürften von der EZB als nicht nachhaltige Preissteigerung angesehen werden, um eine Änderung der Geldpolitik zu rechtfertigen. Ähnlich wie eine einmalige Steuererhöhung würden Zölle nach einem Jahr nicht mehr relevant sein. Der Marktkonsens geht bis Ende 2025 noch von einer Senkung des Einlagensatzes auf 2,0 Prozent aus. Die US-Investmentbank Morgan Stanley prophezeit auf Basis der aktuellen Situation bereits für 2026 ein Zinsniveau von 1,0 Prozent in der Eurozone.

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Wirtschaft der Eurozone legt zu

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres verzeichnete die Wirtschaft im Euroraum ein leichtes Wachstum. Das EU-Statistikamt Eurostat hat am Freitag seine ursprüngliche Schätzung nach oben korrigiert – anstelle eines Nullwachstums gab es ein geringes Plus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Fast alle EU-Länder konnten im vierten Quartal ein Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorquartal verzeichnen – mit Ausnahme von Deutschland, der größten Volkswirtschaft, sowie Frankreich und Irland. Auch die Stimmung, gemessen am ZEW-Erwartungsindex in Deutschland, hat sich kürzlich etwas verbessert.

Japan mit stärkerem Wachstum

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Dank erheblicher Unternehmensinvestitionen und einem Anstieg des Handelsbilanzüberschusses erlebte Japans Wirtschaft gegen Ende des letzten Jahres ein deutlich stärkeres Wachstum als ursprünglich angenommen. Im vierten Quartal verzeichnete das BIP ein annualisiertes Wachstum von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, während lediglich 1,1 Prozent prognostiziert wurden.

Gemischte Daten aus den USA

Im Januar stieg die Industrieproduktion in den USA stärker als erwartet um 0,5 Prozent, während Ökonomen nur mit 0,3 Prozent gerechnet hatten. Auch die Produktionsdaten für den Vormonat wurden leicht nach oben korrigiert. Gleichzeitig hatte der Einzelhandel einen auffällig schwachen Start ins Jahr, da die Umsätze im Januar um 0,9 Prozent sanken, obwohl nur ein Rückgang von 0,2 Prozent erwartet wurde. Zudem stiegen die Preise für importierte Waren um 0,3 Prozent. Die Periode war geprägt von eisigem Winterwetter und zerstörerischen Waldbränden.

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